Interview mit Mathias Reynard zum Jahr 2025

Ein Überblick über die wichtigsten sozialpolitischen Entwicklungen 2025: Fortschritte bei den Kinderzulagen, die Bekämpfung von Familienarmut, Herausforderungen im föderalen System und die Prioritäten der SODK für 2026 – kompakt eingeordnet von Präsident Mathias Reynard.

Mathias Reynard
Mathias Reynard Regierungsrat

Gaby Szöllösy: Mathias Reynard, wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken: Was war aus Ihrer Sicht die grösste sozialpolitische Errungenschaft der SODK?

Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, denke ich insbesondere an den Grundsatzentscheid, die Kinderzuschüsse im Rahmen der Sozialhilfe um 50 Franken zu erhöhen. Das ist eine konkrete Massnahme mit direkter Wirkung auf den Alltag der Familien, insbesondere jener mit tiefen und mittleren Einkommen. In einem Umfeld, in dem die Lebenshaltungskosten stetig steigen, ist diese Stärkung der Kaufkraft zentral. Gleichzeitig zeigt sie eine klare Ausrichtung unserer Sozialpolitik: Wir investieren in das Wohl der Kinder, unterstützen ihre Entwicklung und anerkennen die zentrale Rolle der Familien für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Unser zentrales Thema war die Bekämpfung von Familienarmut. Warum ist aus Sicht der SODK dieses Thema prioritär?

Die Bekämpfung von Familienarmut ist prioritär, weil sie direkt die Kinder und ihre Zukunftsperspektiven betrifft. Wenn ein Kind in prekären Verhältnissen aufwächst, sind seine Chancen in Bildung, Gesundheit und Integration von Anfang an beeinträchtigt. Früh zu handeln ist deshalb entscheidend. Es ist auch eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung. Indem wir Familien heute unterstützen, verhindern wir, dass sich Schwierigkeiten verfestigen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das ist eine Investition in den sozialen Zusammenhalt und in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Sie kommen aus dem Wallis, einem mittelgrossen und ländlich geprägten Kanton. Erlebt man Familienarmut dort anders als in grösseren oder städtischen Kantonen?

In einem Kanton wie dem Wallis ist Armut tatsächlich weniger sichtbar, aber dennoch präsent. Sie zeigt sich oft diskreter und teilweise abseits der öffentlichen Wahrnehmung, was ihre Erkennung und Begleitung anspruchsvoller machen kann. Familien sind stärker auf lokale Strukturen angewiesen, wobei das Unterstützungsangebot weniger breit sein kann als in städtischen Gebieten. Gleichzeitig gibt es auch Stärken, auf die wir bauen können: tragfähige lokale Netzwerke, gelebte Solidarität und ein engagiertes Vereinswesen. Unsere Aufgabe ist es, diese Unterstützung weiter zu stärken und sicherzustellen, dass keine Familie durchs Netz fällt.

Generalsekretärin Gaby Szöllösy im Gespräch mit SODK-Präsident Mathias Reynard
Generalsekretärin Gaby Szöllösy im Gespräch mit SODK-Präsident Mathias Reynard

Die SODK war 2025 in mehreren Bereichen stark gefordert – von der Armutsbekämpfung bis zum Asylbereich. Wie gelingt es, in einem solchen Jahr die richtigen Prioritäten zu setzen?

In einem so anspruchsvollen Jahr ist es entscheidend, einen klaren Kurs zu halten. Das bedeutet, sich an den dringendsten Bedürfnissen zu orientieren – dort, wo die Situationen am sensibelsten sind – und gleichzeitig die langfristigen Auswirkungen unserer Entscheidungen mitzudenken. Die Stärke der SODK liegt gerade in ihrer Fähigkeit zur Zusammenarbeit zwischen den Kantonen, um Prioritäten zu definieren und Massnahmen zu koordinieren. So können wir unsere Kräfte gezielt dort einsetzen, wo sie die grösste Wirkung entfalten, mit dem Anspruch, konkrete und nachhaltige Lösungen zu schaffen.

Gerade in der Sozialpolitik zeigt sich oft, wie unterschiedlich die Kantone unterwegs sind. Oft ist es schwierig, gemeinsame Lösungen zu finden, die allen kantonalen Realitäten gerecht werden. Wie gehen Sie damit um?

Die Vielfalt der kantonalen Realitäten ist ein integraler Bestandteil unseres föderalen Systems. Das ist einerseits eine Herausforderung, andererseits aber auch eine Stärke, weil sie uns dazu zwingt, unsere Ansätze zu vergleichen und voneinander zu lernen. Die Aufgabe der SODK besteht darin, einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen und klare Leitlinien zu setzen, während den Kantonen gleichzeitig genügend Spielraum bleibt, um Lösungen an ihre jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Dieses Gleichgewicht ermöglicht es uns, gemeinsam voranzukommen, ohne die Besonderheiten der einzelnen Kantone zu vernachlässigen.

Gibt es ein Thema, das in Ihrer Einschätzung zu kurz gekommen ist – welches im Nachhinein betrachtet intensiver hätte bearbeitet werden müssen?

Wir müssen unsere Interessenvertretung im Bundesparlament verbessern, indem wir beispielsweise die Auswirkungen gewisser Sparmassnahmen – insbesondere im Rahmen des Entlastungspakets 2027 – klarer aufzeigen. Denn hinter diesen Entscheiden stehen sehr konkrete Folgen für die Kantone. Diese Massnahmen führen gesamthaft nicht zu echten Einsparungen, sondern verlagern einen grossen Teil der Kosten auf die Kantone, insbesondere im sozialen Bereich. Das erhöht den Druck auf unsere Systeme zusätzlich, gerade in einer Zeit steigender Bedürfnisse.

Das Jahr 2026 hat mit einem dramatischen Ereignis begonnen – dem Brand von Crans Montana. Wird es die Solidarität unter den Kantonen erhöhen?

Solche Ereignisse führen uns eindrücklich vor Augen, wie zentral Zusammenhalt und Solidarität sind. Zunächst innerhalb eines Kantons, wo ihre Bedeutung unmittelbar sichtbar wird, aber auch zwischen den Kantonen. In solchen Momenten ist Solidarität kein abstraktes Prinzip, sondern zeigt sich in konkretem Handeln und unmittelbarer Zusammenarbeit. Genau das stärkt die Beziehungen nachhaltig: die Fähigkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam Krisen zu bewältigen. Ich bin überzeugt, dass diese Solidarität gestärkt daraus hervorgeht und uns in solchen schwierigen Zeiten trägt.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt für 2026?

Für 2026 haben wir klare Prioritäten festgelegt, die sich direkt an den Bedürfnissen vor Ort orientieren. Ein zentrales Thema ist die psychische Gesundheit von Jugendlichen, die sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat und koordinierte Massnahmen zwischen Schule, Sozialbereich und Gesundheitswesen erfordert. Gleichzeitig setzen wir unser Engagement in der Armutsbekämpfung und in der Unterstützung von Familien fort. Diese Schwerpunkte sind langfristig angelegt und verlangen Kontinuität. Unser Ziel bleibt dasselbe: konkrete Lösungen zu schaffen, bestehende Strukturen zu stärken und sicherzustellen, dass alle – insbesondere die Jüngsten – faire Startbedingungen erhalten.

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